Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen. Welches Geschichtsbuch braucht Europa im 21. Jahrhundert?

Die enge Zusammenarbeit zwischen den Akteuren aus Wissenschaft und Politik aus drei EU-Ländern, die auch in anderen Bereichen im Rahmen des sogenannten Weimarer Dreiecks kooperieren, machten es möglich, dass zwei erste transnationale Schulbuchprojekte in der Europäischen Union, die deutsch-französische „Histoire-Geschichte“ (2006-2011) und die deutsch-polnische Schulbuchreihe „Europa – Unsere Geschichte / Europa. Nasza historia“ (2008-2020), erfolgreich umgesetzt werden konnten. Andere bi- oder multilaterale Schulbuchprojekte, die in Europa und weltweit entwickelt werden, sind hingegen vor allem als Hilfsmaterialien für den Schulunterricht gedacht. Eines der wichtigsten und erfolgreichsten dieser Projekte ist das zwischen 1999 und 2019 realisierte „Joint History Project”, an dem sich 13 Länder der Region Südosteuropa beteiligt haben. All diese Projekte verbindet ein Versöhnungsprozess zwischen Völkern und Staaten, deren gegenseitige Beziehungen durch eine schwierige und dramatische Vergangenheit geprägt sind.

Die Konferenz „Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen. Welches Geschichtsbuch braucht Europa im 21. Jahrhundert?“ ist ein weiteres Treffen im Rahmen der vom Leibniz-Institut für Bildungsmedien | Georg-Eckert-Institut ins Leben gerufenen EFREC-Initiative, bei dem Historiker*innen, akademische Expert*innen und Geschichtslehrkräfte zusammenkommen, die bei bi- oder multilateralen Initiativen, darunter Schulbuch- und Historikerkommissionen, mitwirken und sich für eine dialogisch angelegte Schulbuchrevision einsetzen. Auf der Pariser Konferenz werden Erfahrungen aus der Arbeit an den genannten Schulbuchprojekten der deutsch-französischen und deutsch-polnischen Kooperation ausgetauscht sowie Rahmenbedingungen, Konzepte und Inhalte für aktuelle transnationale Unterrichtsmaterialien ins Gespräch gebracht. Dabei werden wir ausloten, wie die europäische Geschichte in transnationalen Bildungsmedien erzählt wird, und mögliche Auswirkungen ihrer praktischen Verwendung in schulischen Kontexten in EU-Ländern in den Blick nehmen. Weitere thematische Schwerpunkte sind der Stellenwert der verschiedenen Kulturräume Europas und ihre Behandlung in europäischen Schulbüchern sowie die Rolle von multiethnischen Grenzregionen („Regionen, die trennen und die verbinden“) im Kontext der sogenannten histoire croisée oder Verflechtungsgeschichte verschiedener Teile Europas.

Eine ebenso wichtige Frage, mit der sich die Teilnehmenden der Konferenz beschäftigen werden, ist die Auslotung weiterer möglicher Kooperationen und Projektvorhaben, die Brücken über die EU-Länder hinaus schlagen. Der derzeitige Krieg in der Ukraine und die im Raum stehende Mitgliedschaft dieses osteuropäischen Landes in der EU lassen uns in Austausch über Rahmenbedingungen für eine gemeinsame Arbeit an Unterrichtsmaterialien zur Geschichte der Ukraine treten, die dem breiteren Kontext der europäischen Geschichte Rechnung tragen würden und als solche sowohl an ukrainischen als auch an Schulen der einzelnen EU-Länder eingesetzt werden könnten.

An der zweitägigen Konferenz nehmen Historiker*innen, Vertreter*innen der Sozialwissenschaften, Intellektuelle, Lehrkräfte aus Deutschland, Polen und Frankreich, die das deutsch-französische und das deutsch-polnische Schulbuch im Unterricht einsetzen, sowie Personen aus Politik und Wissenschaftsdiplomatie, die an verschiedenen Projekten für transnationale Unterrichtsmaterialien beteiligt sind und im Sinne des internationalen Schulbuchdialogs agieren.

Date

15 - 16 Sep 2022

Location

Centre Scientifique Académie Polonaise des Sciences
74, rue Lauriston – 75116 Paris